er deutschen Redewendung "etwas bis zur Vergasung tun" habe ich nie besondere Aufmerksamkeit meinerseits zukommen lassen, bis jemand, den ich eigentlich nicht zum elitären Kreis der Deutsch - Experten meiner durchaus eingeschränkten Welt zählte, mich auf diese Besonderheit meiner Muttersprache stieß, von der ich bisher doch immer geglaubt hatte, sie durch jahrelanges Training und Formulieren auf den höchsten und manchmal perversesten Ebenen schon sehr genau kennengelernt zu haben. Eigentlich eine recht diffamierende Redewendung, wenn man bedenkt, daß das Leid vieler Millionen Menschen und deren persönliches Tun und Lassen, ihr Widerstand, ihr Glauben und ihre Sorge um andere nun als Beispiel dazu benutzt wird, um auszudrücken, daß jemand eine Tätigkeit übermäßig ausübt. Muß ich wohl übersehen haben.
Die Fragen meiner Kindergarten - Kollegen wie "Hat Alexander der Große wirklich alleine diese sechs Städte namens Alexandria gegründet und aufgebaut?", wie es doch in so vielen Geschichtsbüchern unumstößlich geschrieben steht, erschienen mir doch immer etwas sehr naiv; ebenso naiv erschien mir lange das Werk eines großen deutschen Autors, der ähnliche Fragen zu einem eigenständigen Gedicht werden ließ. Welch Anmaßung von mir! Mittlerweile beurteile ich mein damaliges Verhalten als arrogant und die damals gestellten Fragen vielmehr als rhetorische Fragen als Mittel, um feststehende Werte zu relativieren. Natürlich war es nicht Big Alex alleine, der die Städte aufbaute, und ein Gedicht über Fragen, die jeder beantworten kann, muß einen Hintergrund haben.
Erst neulich diskutierte ich darüber, daß Touristen durch ihre Reisen gerade das zerstören, was sie sich ansehen möchten, sei es Natur, die Ursprünglichkeit vieler Orte oder deren Einsamkeit. Wie konnte ich das verkraften, als Verantwortungsethiker, der sich für die Folgen seines persönlichen Handelns verantwortlich fühlt und die Irrationalität der Welt in seine Einschätzungen und sein Kalkül immer mit einbezieht, damit er die von ihm hervorgebrachten Konsequenzen vertreten kann? Soll ich als Konsequenz nun nicht mehr reisen und so der Tourismusbranche mein Geld enthalten und es dem Geldkreislauf entziehen? Keine Chance, dafür hab' ich viel zu viel vor!
Als ich eines Abends meine Zimmertür einen Spalt aufließ, um ins Badezimmer zu gehen, fragte mich meine schon im Bett liegende Mutter, was das für ein Pfeifen wäre, das sie hörte. Es stellte sich recht schnell heraus, daß es die CD in meiner Stereoanlage war, die meine Mutter wohl vermuten ließ, ein technisches Gerät wäre defekt. Einmal wieder prallten zwei Welten aufeinander, eine in dur, die andere auf Ebenen, die wohl weit über die mit herkömmlicher Notenschrift ausdrückbarer musikalischer Welten lag.
Alles eben sehr relativ, wo viele Menschen sind, sind viele Meinungen; muß ich akzeptieren.