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von Tobias Ralph Hartwich
(31. 8. 1997)

ie Luft, die ich in diesem Augenblick so stechend wie nie zuvor fühle, erscheint mir dennoch vertrauter als alles, was mich umgibt. Ich würde lieber mein Leben lang sterben, als in meiner Umgebung noch länger zu verweilen. Was früher von mir irrtümlich als Heim bezeichnet wurde, wird jetzt beherrscht von etwas anderem. Unter der Oberfläche, unter Vorwänden, mit großer Summe, aber mit kleinen Summanden. Verloren dastehend vor diesem Etwas, aber auch verloren in mir selbst, verloren in dem großen Spiel, das mir als einzige Möglichkeit meiner beschränkten Fähigkeiten eine Aufgabe zuteil werden läßt, der ich mir unwürdig erscheine, viel zu mächtig. Und doch muß ich sie erfüllen. Ich soll sie bestehen, ich darf an ihr teilhaben.

Ich tu's jetzt.

Zweifel bestehen, vergehen, kehren zurück bei der Bewältigung meines Lebensinhaltes, ob es nicht viel mehr gibt, einen Zusammenhang, der nicht nur mich an meinen Ort setzt und mir meine Doktrin einflößt. Ein Mehr an Sinn, der dem Kreislauf der sich immer wiederholenden Kreisläufe unserer aller Leben mehr verrät. Schneller, immer schneller, 25 Bilder pro Sekunde, 100 Meter in 9,8 Sekunden, 17500 Umdrehungen pro Minute, von 0 auf 100 unter 4 Sekunden, zum Hochbooten des Computers knapp 24, ein Ausdruck pro Seite ungefähr 2. Routine, Tage werden abgerissen, man macht es, weil es so ist. Fertig. Aus.

Ich tu's jetzt, komm, mach' hin.

Und sollte mehr hinzukommen, so besinnt man sich auf den großen alles vereinnahmenden Kreislauf, und man tut so, als wär nichts gewesen. Störendes wird abgesaugt, bloß nichts nach außen dringen lassen, alles regulieren, in Bahnen lenken, keinen Freiraum lassen, Kreativität in den Maßnahmen zur Unterdrückung selbiger. Cheating nur am Rande, immer aufrecht gehen, Peinlichkeiten? Nein. Wir sind straight, was unser Äußeres betrifft. Wir sind Perfektionisten, Chauvinisten und Journalisten für unseren eigenen Wahnsinn, der uns zu Leuten macht, die wir nie sein wollten. Die Liebe ist vergänglich, der Durst bleibt lebenslänglich? Aber der Durst wonach? Nach Veränderung, Aktivität, Spontaneität? Zufriedenheit, für viele das Ziel, welches das Recht einschließt, sich auf seine Arbeit zu berufen und so Ansprüche geltend machen zu können. Die Hände in den Schoß legen. Eine auf viele Schüler angewandte Klausel, die sich doch vielmehr auf die Adressaten bezieht! Wer hat denn keine Lust mehr auf irgendwas, wer sagte damals, wir sollten woanders spielen?!

Es reicht. Jetzt tu ich's, ich steh' auf, ich versetz' meine Arbeit, ich geh' raus!

     © aller Storys beim jeweiligen Autor / Herausgeber: Herz Mariä-Jugend / Programmierung: Markus Rohde