in Blick auf die Uhr. Etwas, was ich mir in meinem Leben angewöhnt habe, wenn die Zeit mir zu lange vorkommt, doch hier ist er überflüssig. Die Zeit, sie spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle. Manchmal geht sie zu schnell um, und manchmal zu langsam. Merkwürdig, dabei ist sie linear. Doch nun ist es so, als ob die Gesetze der Zeit keine Wirkung mehr haben.
Mein Tag hat einen gewohnten Ablauf. Ich stehe auf, wasche mich, frühstücke, gehe draußen ein paar Runden und genieße den Blick auf die großen Wände die mir keinen Blick auf die Außenwelt erlauben. Dann muss ich etwas arbeiten, egal ob es Spaß bringt oder nicht, aber es bringt Abwechslung. Natürlich bin ich hier drin nicht allein, aber ich habe mir meine Kameraden nicht ausgesucht. Nun muss ich mit ihnen klar kommen. Den meisten gehe ich aus den Weg, wenn es geht. Dieses Gefängnis ist groß, aber nicht groß genug, um allen aus den Weg zu gehen und seitdem ich hier drinnen bin, habe ich einige Kilo abgenommen. Man könnte meinen, dass dies eine gute Diät wäre, aber ich halte mich langsam für eine Bohnenstange.
Wir haben einen kleinen Garten, aber auch dort sind die großen Mauern, und der Himmel ist das Einzige, was wir von draußen sehen können. Im Haus haben wir Geschlechter getrennte Gemeinschaftsschlafräume. Einen eigenen Raum hat keiner. Eine Gemeinschaftsküche ist vorhanden und wir müssen uns selbst bekochen. Gemeinschaftswaschmöglichkeiten, Gemeinschaftsraum. Alles ist sehr spartanisch eingerichtet und ich mag diesen Stil nicht. Ich hasse dieses Wort, Gemeinschaft und ich hasse diesen Ort. Nichts ist für mich alleine. Kontakt zur Außenwelt gibt es nicht. Wir sind wie eine kleine einsame Insel. Unsere Versorgung bekommen wir durch eine Schleuse, damit wir keine Möglichkeit haben mit anderen zu reden und sind somit abgeschnitten von der Außenwelt. Wir haben nur uns, auch wenn wir uns nicht gerade mögen. So sieht dieser Lebensabschnitt aus.
Aber darüber hinaus gibt es noch ihn, ihn der mich und die anderen den ganzen Tag beobachtet. Sein Blick beharrt auf uns, egal was wir tun. Man spürt seine Präsenz überall und er hört alles. Ein falsches Wort und man hat verloren. Drin bleiben ist alles. Aber wir haben Angst und versuchen sie so gut wie möglich zu überspielen. Andere, denen ich aus dem Weg gehe, lassen sich trotzdem auf ihn ganz ein und tun alles für ihn. Wenn er was will, er bekommt es von ihnen. Sie gehen sogar so weit und befriedigen seine niedrigsten Triebe. Sie ziehen sich für ihn aus und zeigen ihm alles. Was er will, sie tun es.
Ich will dies nicht, aber er erwischt mich trotzdem. Ich stehe unter der Dusche, mit dem Rücken zu ihm und ich merke wie er näher kommt. Seine Blicke mustern mich, wandern über meinen Körper. Von unten bis oben. Ich stelle ihn mir vor, wie er mich anstarrt, er anfängt zu beben und mich am liebsten herumreißen will.
Doch dann schnappe ich mir ein Handtuch und fliehe. Aber egal wo ich hinrenne, er ist schon da. Ich suche mir meine Kleidung zusammen und streife sie mir über. Das ist der Moment, wo ich mich wieder besser fühle und er verärgert sich jemanden anderen sucht. Das ist der Moment wo ich über ihn lachen kann und ich am liebsten in sein wutverkrampftes Gesicht schauen würde.
Das ist aber noch nicht alles. Ich sitze einfach da und er kommt, ich liege im Bett und er kommt, ich will essen und er kommt, ich will ausspannen und er kommt. Ich will doch nur meine Ruhe haben und er nimmt es sich raus, mich zu stören. Ich will ein Gespräch führen, mich öffnen, mit jemanden unter vier Augen reden, einen meiner Kameraden, doch er hört zu und lässt mich nicht alleine. Warum?
In mir staut sich fiel zusammen, was raus will, ich kann es aber nicht aussprechen, denn er darf es nicht mitbekommen. So gehe ich weiter ohne es zu sagen.
rgendwann, ich weiß gar nicht, welcher Tag heute ist, treffe ich Melanie in der Küche, ein blondes, künstliches Mädchen. Sie hat sich wie jeden Tag schön gemacht, nicht für uns, sondern für ihn. Kurzer Rock und ein Top. Ich mag sie nicht. Ich schaue ihr in die Augen, sie schaut zurück. Sie merkt natürlich sofort, was ich über sie denke und ich weiß, dass sie mich genauso mag.
Ein stechender Schmerz in der Schulter, als sie an mir vorbei geht, überkommt mich. Melanie hat mich angerempelt, "ausversehen" , wie sie sagt. Ich drehe mich um, genau wie sie. Sie grinst mich an, ein schelmisches Lächeln, dass mich anspringt. In mir steigt die Wut hoch, ich koche und merke wie mein Kopf rot wird. Ich will ihr das Lächeln ausprügeln, ihr das Gesicht zerkratzen und sie steht da und wartet nur darauf. Sie will es förmlich, denn sie weiß, dass er es will. Und dann höre ich ihn, sein Rufen, wie er schreit: "Hau drauf! Brech ihr die Nase! Schlagt Euch!"
Wie im alten Rom die Gladiatoren, stehen wir uns gegenüber, bereit, jederzeit zu zuschlagen vor der prall gefüllten Arena und den rufenden und heiser kreischenden Zuschauern.
Ich kneife die Augen ein wenig zu und ich höre wie er uns anfeuert. Er lüstet danach, endlich passiert mal was außergewöhnliches. In dem Augenblick wird mir auch klar, dass nicht Melanie Schuld ist, er ist es. Ich drehe mich um zu ihm und schaue in seine glasigen Augen. Dieser Spanner ist Schuld und meine Wut gilt ihm und niemanden anderen. Er und niemand anderes. Der Zeitpunkt ist gekommen wo ich es nicht länger verschweigen kann, auch wenn ich dann verliere, es ist egal. Ich schreie ihn an, ich werfe ihm das an den Kopf, was sich in mir seit Wochen angestaut hat. Dann habe ich mich nicht mehr unter Kontrolle. Mein Verstand ist nicht mehr in mir, meine Emotionen haben ihn Verdrängt. Ich gehe auf ihn los, mein Körper wendet sich gegen ihn. Ich schlage, ich kratze, ich schmeiße alles auf ihn, was ich in die Finger bekomme Stühle, Teller, alles und dabei fühle ich mich gut,. Zum ersten Mal seit langem und ich lache, ich bin schadenfroh. Ich sehe, wie ihn meine Attacken
treffen. Ich reiße ihm seine Augen aus, denn er kann sich nicht wehren. Ich halte sie hoch. Sie sind meine Trophäe. Flüssigkeit tropft von ihnen und ich schlecke sie von meinen Armen.
"Ja, ja, ich habe Dich bezwungen. Ha, Ha. Dich, du Monster."
Ich nehme seine Ohren reiße und reiße, bis ich sie auch in meinen Händen halte. Er liegt in meiner Hand, sein Schicksal. Etwas langes baumelt an den Ohren und ich binde sie mir damit um.
Da kommen meine Kameraden.
"Schaut, schaut," rufe ich ihn siegessicher zu, "Ich habe Euch befreit. Es ist Ruhe. Freut Euch doch!"
Sie schauen mich an, als ob sie nicht verständen, was für eine Wohltat ich für sie getan habe. Es ist vorbei.
"Freunde, was habt Ihr? Nein, lasst mich los! Geht weg. Ihr seid wie er geht weg!"
unge, schalte auf die drei! Da tut sich was," ruft der Regisseur, "Delia und Mel wollen sich glaube ich schlagen. Schaltet die Mikrofone ein." Im Regieraum reagiert man sofort darauf. "Endlich passiert mal was. ...
Was ist denn mit Delia los. Schaut Euch den Blick an. Hey, hey was macht sie da. Die Kameras. Die ist doch völlig verrückt. Los schickt jemanden rein. Schnell, schnell. Scheibenkleister, noch jemand, dass hat uns noch gefehlt. Das gefährdet die ganze Serie."
Der Notarzt ist schnell vorgefahren und stürmt ins Haus. Dort versuchen die Männer Delia unter Kontrolle zu bekommen, doch das ist nicht so einfach. Sie wehrt sich ohne Ende, nur eine Spritze beruhigt sie. Sie bekommt eine weiße Jacke übergestreift und ihre Hände werden auf dem Rücken zusammengebunden. Dann führt man das benommene Mädchen nach draußen. Man hört sie nur flüstern: "Ich bin raus. Endlich. Ich hab dich besiegt..."